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Förderung von realistischer bildender Kunst in Berlin  
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Condition Humaine 2012

Einige Fotos zu den Vorbereitungen der Stiftungsausstellung und der Ausstellungseröffnung.
Ausstellung "CONDITION HUMANE 2012"

Ausstellung "CONDITION HUMAINE 2012"

Ingeborg-Leuthold-Stiftung

zu Gast in der Ladengalerie Müller GmbH, Alt-Tempelhof 26, 12103 Berlin

Ausstellung 2.6.-26.7.

Lilli Hill *1976, Ingeborg Leuthold *1925, Heike Ruschmeyer *1956

Eröffnung, Samstag 2. Juni, 15 Uhr

mit Uwe Kressin “Aspekte zu Kunst und Stiftung“

Die Künstlerinnen sind anwesend.

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 12-18 Uhr und nach Vereinbarung

Condition humaine, Friedrich Rothe, ISBN 3-926460-95-4

T/F 030/ 69 40 91 24, info@ladengalerie-berlin.de

     
Ingeborg Leuthold
"Conny"
  Ingeborg Leuthold
"Am Ufer"
  Ingeborg Leuthold
"Tattoo total"
  Heike Ruschmeyer
"Der Stimmenimitator"
 
     
Lilli Hill
"Flora"
  Lilli Hill
"Eva"
  Lilli Hill
"Rattenfalle"
  Heike Ruschmeyer
"Monolog"

Die erste Aktivität der Ingeborg-Leuthold-Stiftung könnte kaum sinnfälliger zum Tragen kommen als mit diesem Auftakt. Er bringt drei in Berlin lebende Malerinnen zusammen, die sehr unterschiedliche Lebenserfahrungen und Kunstauffassungen besitzen und nicht weniger als drei Generationen angehören. Heike Ruschmeyer wurde 1956 geboren, im selben Jahr in dem die Meisterschülerin von Schmidt-Rottluff, Ingeborg Leuthold, ihr einjähriges Paris-Stipendium antrat. Ruschmeyer wiederum wurde 1977 mit dem Braunschweigischen Rudolf Wilke-Preis ausgezeichnet, ein Jahr später, als Lilli Hill in Kasachstan zur Welt kam. Die Ausstellung, die einen ungewöhnlichen Brückenschlag wagt, wäre ohne die Stiftung, welche die „Förderung realistischer Kunst in Berlin“ bezweckt, sicher nicht zustande gekommen.
Ingeborg Leuthold hat sich mit „Am Ufer“, das auf zwei mal drei Metern mehr als vierzig nackte Menschen zeigt, wieder einer großen Aufgabe gestellt, und erneut ist es ihr gelungen, sich zu steigern und ihre Bilder zu Loveparade und Tattoo zu übertreffen. Im Einklang von Komposition und Farbe ist hier ein Maximum erreicht. Ihr Bild wirkt frei und eröffnet trotz seiner Figurenfülle eine Weite, die es mit Seurats Gesellschafts-Panorama, ein Nachmittag auf der Grande Jatte, aufnehmen kann. Dabei fehlt hier auch jeder Hauch von Nostalgie; Frisuren, Tätowierung, Sonnenbrille und Handy dokumentieren die Freizeitkultur der Gegenwart. Das friedliche Beieinander ohne Zigarettenqualm und den Lärm aus Transistorradios ermutigt und ruft eine Stimmung hervor, welche trotz allem die Wiederkehr paradiesischer Zustände erhoffen lässt.
Akte in altmeisterlicher Manier, die unverhüllten Blick auf massive, aber keineswegs formlose Frauenkörper gewähren, sind das Sujet Lilli Hills. Ihre großen, lasierend in dünnen Schichten aufgetragenen Gestalten treten provozierend auf und entsprechen unverblümt dem Programm der „Emanzipation des Fleisches“. Die Körperinszenierung jedoch erlaubt es der Malerin, auf Halbheiten zu verzichten und unerbittlich auf das Lustpotential zu verweisen, an dem die Eva-Töchter laborieren, weil sie das punktuelle Sexualbedürfnis der Männer, der steten weiblichen Bereitschaft hoffnungslos unterlegen, unbefriedigt lässt. Bei ihren Bildern, die auch ungebrochenen Konditionswillen thematisieren, fängt Lilli Hill mit Fotografien an, die sie selbst von ihren Modellen macht, und versieht sie danach, wie bei der Flora mit Blumenkopfputz und einer an den Flügeln gehaltenen Libelle, mit sprechenden Accessoires. Bei der sehnsüchtigen Eva, die sich ohne Scham auf einem schmalen viereckigen Tisch dem Betrachter darbietet, sind nicht allein die Geishakugeln bemerkenswert, unter ihr ist ein christliches Kreuz zu sehen, aus den Falten des Tuchs gebildet.
Heike Ruschmeyer, Marianne Werefkin-Preisträgerin 2005, wiederum verkündet mit ihrer Malerei nicht pastoral, um einer von der Konsumgesellschaft verdrängten Wahrheit zum Recht zu helfen: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.“ Sie nimmt Partei und rückt Todesopfer ins Zentrum, die ihr in nicht endenwollender Zahl auf forensischen Fotografien entgegentreten und das gesellschaftliche Gewaltpotential ahnen lassen. Nahaufnahmen in Großformat behandelnd, gibt sie den zum Objekt der Kriminologie gewordenen Leichen Würde zurück, indem sie die Gestalten aufrichtet und sich ihnen in einer kontemplativ verfeinerten Malweise zuwendet, die auch Maler, denen ihre Thematik fremd ist, bewundern. Bei ihrer Arbeit liegt der Aufruf zur Hetzjagd der Künstlerin fern. Gewalttätigkeit gehört zur condition humaine. Die Frage „Haben Sie auch Täter gemalt?“ beantwortet  Heike Ruschmeyer: „Ich arbeite immer in dem Bewusstsein, dass wir alle potenzielle Täter sind.“

CONDITION HUMAINE, FRIEDRICH ROTHE, ISBN 3-926460-95-4